Europäisches Lehreraustauschprojekt Comenius (Presse Kinzigtalnachrichten 22.03.05)

Die Kinzig-Schule Schlüchtern nimmt in den nächsten Jahren an vielerlei europäischen Bildungsprojekten teil. So werden Schülerpraktika im Rahmen von Leonardo angeboten, die technische wie kaufmännische Berufe und Ausbildungsgänge befördern. Für fast alle Zweige der Beruflichen Voll- und Teilzeitschulformen gibt es mittlerweile entsprechende Angebote und Programme, die über den EU-Koordinator Thomas Schneider vermittelt werden. Partnerländer sind z.B. Frankreich, Polen oder auch Ungarn. Weitere europäische Regionen in anderen Programmzweigen stehen offen für die Teilnahme: Italien, Griechenland, Großbritannien, Malta sind nur einige wenige aus dem umfangreichen Europa-Angebot, in das die Schule hineingewachsen ist. Neben den transatlantischen Verbindungen nach Wisconsin / USA – von dort werden im Juni und Juli des laufenden Schuljahres zwei Kollegen im Lehreraustauschprogramm der Hessischen Landesregierung an der Kinzig-Schule erwartet – ist besonders auf die Kooperation mit Südkorea hin zu weisen. Studienrat Michael Hau koordiniert den ersten Partnerschaftsbesuch der koreanischen Partnerschule aus Seoul im Rahmen der Projektwoche im Juli 2005 an der Kinzig-Schule, im Gegenzug besuchen Schülergruppen der Schule aus dem Bergwinkel Südkorea im nächsten Schuljahr.

Das Programm „Comenius“ verbindet Schlüchtern mit seiner Partnerstadt Jarocin in Polen. Das dortige Lyzeum und die ungarische Partnerschule der deutschsprachigen Minderheit in Pilisvörösvar nahe Budapest tauschten für 14 Tage je zwei Lehrkräfte in einem „Ringtausch“ aus: von Schlüchtern nach Jarocin, von Jarocin nach Pilisvörösvar, von Pilisvörösvar nach Schlüchtern. Ziel ist es im Zuge des Qualitätsmanagements an hessischen Schulen heraus zu finden, welche Voraussetzungen und Standards erfüllt sein sollten, um ein europäisches verlässlich vergleichbares Lehr- und Lernarrangement zu schaffen. Methoden- und Systemvergleiche sowie pädagogische Alltagserfahrungen sind dabei unerlässliche Voraussetzungen. Schülergruppen werden dabei ebenfalls einbezogen, auch sie werden in diesem Ringtausch auf Reisen gehen können und in Begegnungen herausfinden können, wie es ist, in einem Europa der Regionen zu lernen und berufliche Perspektiven zu entwickeln.

Aus Nachbarn sollen Freunde werden, zumindest aber sich gegenseitig kennen und achten, das sind Minimalziele dieses Comenius-Projektes. Lehr- und Lernstandards werden nicht über Nacht angeglichen, die Unterschiede sollten auch nicht verwischt werden, es geht um die Kenntnis und die Fähigkeit, sich in anderen Bildungssystem erfolgreich zurecht zu finden, sich ohne Ängste, Zweifel und Vorbehalte austauschen und bewegen zu können. Nach der formellen politischen und ökonomischem Einigung kommt die eigentliche Arbeit nämlich erst auf die jungen Menschen zu: wie gestalten sie dieses Europa, in dem sie groß werden und es als ihre Lebensrealität annehmen. Vor aller großen Politik kommt die kleine in der Schule, und die heißt konkret mit dem Anderen nebenan in Kontakt treten, mit ihm lernen, die Freizeit verbringen, mit ihm kooperieren und auch konkurrieren. Nur im Vergleich gegenseitiger Anstrengung kann man die eigene Leistungsfähigkeit erfahren.

Zum ersten Ringtausch brachen aus Schlüchtern die Lehrer Holger Bischoff und Uwe Busanny nach Jarocin auf, unterrichteten dort 14 Tage Deutsch, Politik, Geschichte, Wirtschaftslehre, Rechnungswesen. Aus Ungarn kamen Frau Ágnes Stercz und Frau Rita Jeskó an die Kinzig-Schule, sie hospitierten ebenfalls zwei Wochen in verschiedenen Fächern in verschiedenen Klassen und unterrichteten eine Geschichtseinheit im Beruflichen Gymnasium Klasse 11W1 auf Deutsch. Methoden aus dem ungarischen Schulalltag wurden erprobt, die den deutschen Lehrerausbildungsstandards nahezu aufs Haar glichen. Abschließend gab es auch „Noten“ für die Mitarbeit am Projekt. Die Klasse schlug sich tapfer und zeigte sich äußerst aufgeschlossen gegenüber dieser Art von Projektunterricht. Für die genaue Auswertung der Erfahrungen, die Vereinbarungen zum kommenden Schuljahr und die Gestaltung der Dokumentation im Internet treffen sich alle Beteiligten noch einmal mit den Projektkoordinatoren Thomas Schneider (Hessen), Günther Fecht (Ungarn), Dorota Andrzejewska (Polen) vom 29.6. – 4.7.05 in Schlüchtern. Nächstes Jahr wird der Reigen eins weiter gehen und Treffpunkt ist dann Ungarn, später Jarocin, eben ein Ring, der zusammenhält. Dort müssen dann auch jeweils die Rechenschaftsberichte für die Finanzierung gegenüber den europäischen Institutionen abgelegt werden. – Auch in Brüssel rechnet man auf den Cent genau! Deswegen sollen auch konkrete Ergebnisse vorgewiesen werden, sonst wäre die Investition in ein solches Bildungsprojekt eher touristisch. Und diesen Verdacht konnte schon der erste Ringtausch massiv ausräumen. Die teilnehmenden Lehrkräfte unterrichteten mehr Stunden als an ihrer Heimatschule, die ungarischen Lehrerinnen investierten sogar ihre Frühjahrsferien für diesen Termin. Ein Tenor einte die „Reisenden“ : „Wir machen das sofort wieder, es war ein immenser Gewinn“!

Bilder: 03.2005 Rita und Ágnes in Schluechtern (Klasse 11W1)