Mein Porsche 924 S
Trotz des
anhaltenden Erfolges des 911 wollte Porsche das Programm
erweitern. Für neue Modelle kam nur ein vornliegender,
wassergekühlter Motor in Frage. Dazu Ferry Porsche damals:
Unsere Heckmotorfahrzeuge
haben meist auf den Antriebsrädern zwischen 56 und 60 Prozent
des Fahrzeuggewichts für die Traktion zur Verfügung.
frontgetriebene Fahrzeuge haben eine ähnliche Gewichtsverteilung
zu den Antriebsrädern, aber nur im leeren Zustand. Wenn also
eine entspre-chende Zuladung, im besonderen auf die Hinterachse,
durch Koffer etc. kommt, fehlt diesem Konzept das nötige Gewicht
für die Traktion. Man hat daher nach einem Konzept gesucht, das
sich in be - und entladenem Zustand möglichst neutral verhält
und eine etwa gleiche Front- und Heckgewichtsverteilung ergibt.
Dieses Konzept war das nun zur Anwendung kommende
,,Transaxle", bei dem ein Leichtmetallmotor vorn
untergebracht wird und die Antriebsachse mit dem Getriebe
kombiniert im Heck des Fahrzeugs liegt. Im übrigen eine schon
sehr alte Lösung, die mein Vater bereits in den zwanziger Jahren
bei der Konstruktion eines GrandPrix - Wagens bei
Daimler-Benz angewandt hatte.
In dieser
Transaxle - Bauweise entwickelt Porsche zwei neue Sportwagen: den
924, der als Einstiegsmodell mit Vierzylindermotor unterhalb des
911 angesiedelt ist und den großen, komfortablen 928. Der 924
wird ursprünglich als Nachfolger des VW - Porsche für das
VW-Werk entwickelt. Das Wolfsburger Interesse an diesem Fahrzeug
erlahmt jedoch nach der ersten Energiekrise und Porsche erhält
die Möglichkeit, den 924 zurückzukaufen und ins eigene Programm
zu übernehmen. Kein schlechter Griff, wie sich herausstellen
wird. Denn obwohl der 924 in Deutschland keine Begeisterung
hervorruft, wird er dank des Exports innerhalb von fünf Jahren
Produktionszeit 100 000 mal gebaut und ist damit der
erfolgreichste Porsche, den es je gab.
Im Februar 1976 werden die ersten
924 ausgeliefert. Der kleine Porsche zeigt sich als Kombi -
Coupé mit Heckklappe. Der Vierzylinder - Reihenmotor bringt mit
125 PS eine Spitzengeschwindigkeit von 205 km/h (Automatik 195
km/h). Der Preis: 23 240 DM. Die Exportausführung, die
zweitweise bis zu 80 % der Gesamtproduktion ausmacht, ist
gedrosselt: 115 PS, 185 km/h. Im August 1976 gibt es
Flankenschutzleisten serienmäßig und für die große
Heckscheibe ein Sichtschutzrollo. Eine Dreigang - Automatik ist
ab Oktober 1976 lieferbar und ab August 1977 ist auf Wunsch eine
Fünfgang - Schaltung zu haben. Ende 1978 kommt der 170 PS starke
und 225 km/h schnelle 924 Turbo auf den Markt, der im August 1980
auf 177 PS und 230 km/h angehoben wird und dann 41 480 DM kostet.
Klar, daß auch eine Carrera - Version kommt. Sie wird als
Prototyp 1979 auf der IAA vorgeführt: Porsche 924 Carrera GT,
210 PS, 240 km/h. Von September bis Dezember 1980 werden 400
Carrera GT gebaut. 1981 folgen für den Wettbewerb insge-samt 50
Carrera GTS (245 PS) und GTR (280 PS). Im Sommer 1982 wird der
924 mit integriertem Heckspoiler verschönt und der Turbo aus dem
Verkehr gezogen.
Im August 1985 wird der 924 S ins Rennen geschickt. Der Motor ist durch den leistungsreduzierten Porsche-Motor des 944 ersetzt (160 PS, 225 km/h). Im Testjahrbuch 1986 der ,,Auto, Motor und Sport" werden die Vorzüge den Nachteilen des neuen Porsche - Einstieg - Modells gegenübergestellt: ,,Vorzüge: Gute Fahrleistungen; kultivierter, elastischer Motor; mit Servolenkung gute Handlichkeit; gute Verarbeitung. Nachteile: ungünstige Sitzposition; Hinterräder neigen zum Überbremsen; hoher Preis." Der liegt 1985 bei 49 950 DM, 1988 bei 50 165 DM. Obwohl der 924 respektable Produktionszahlen einbringt, kann er die Gunst der ,,richtigen" Porsche - Fans nicht erringen. Für sie ist der kleine Porsche 924 eigentlich gar kein Porsche und den Nimbus des 911 kann er ohnehin nie erreichen. Daran ändert auch der porscheeigene Motor des 924 S mit seinen anerkannt guten Fahrleistungen nichts. 1988 wird der 924 S aus dem Programm genommen. Schade und gut zugleich: Damit erlangt er unter Kennern den Eingang in die ewige Liste der automobilen Schönheiten, die man nicht um die Ecke bekommen kann. Einen 11er kriegt man immer, einen guten 24erS nur unendlich schwer - und die Preise für Schönheit liegen immer irgendwann über denen der Magie. Und heute, 2009, gibt es kaum noch 24er, sie sind rare Exoten geworden, nach denen sich neidische Blicke wenden oder Langfinger die Knöchel knacken. Wer einen hat, darf sich glücklich schätzen, wer keinen hat, und es gibt nur noch einige 924 S in Deutschland, der darf wenigstens träumen. - Ich habe einen noch fast neuen. Also bin ich reich. Unendlich reich, weil ich meinen Kindheitstraum vor mir stehen habe. Und keinen 11er, wunderbar.
So also schraube ich meditativ an meinem Schatz herum.....
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